NINA und KATWARN kommen sich näher

Gestern staunte ich nicht schlecht, als ich auf die KATWARN-Seite schaute: Dort fand ich zum ersten Mal eine Meldung mit dem Vermerk: „MoWas des Bundes meldet:“ Das bedeutet:

Künftig erhalten KATWARN-Nutzer auch die Meldungen aus dem Bundeswarnsystem – das unter anderem NINA mit Nachrichten versorgt. Ein wichtiger Schritt zu einer einheitlichen Warnung, denn bisher hatten der Bund und KATWARN völlig unabhängig voneinander gewarnt.

Seit dem Ende des kalten Krieges kann nur noch rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung über Sirenen gewarnt werden. Eine Option sind die Warnapps. Und von ihnen gibt es inzwischen vier: KATWARN, NINA, BIWAPP und die DWD Warnwetter App. Noch im Oktober hatte ich für die IM EINSATZ darüber einen ausführlichen Artikel geschrieben.

KATWARN ist seit 2011 die erste Warnapp in Deutschland. Sie wurde vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS im Auftrag öffentlicher Versicherer entwickelt. Betreiberin ist die Combirisk GmbH.

Gegen eine Gebühr können Länder, Landkreise und Kommunen sie nutzen. Zurzeit erreicht KATWARN nach eigenen Angaben rund 3 Millionen Handybesitzer – in den Bundesländern Berlin, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland sowie bundesweit in 80 weiteren Landkreisen und Städten.

Die „Notfall Informations- und Nachrichten-App“ NINA wurde vier Jahre später im Auftrag des BBK entwickelt. Diese App ist Teil des modularen Warnsystems des Bundes (MoWaS) mit diversen anderen Warnkanälen wie Radio und TV. Es wird vom BBK für bundesweite Warnungen im Zivilschutz betrieben.

Jedes Bundesland hat mindestens zwei Zugänge, einige Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Schleswig-Holstein haben es auch für regionale und lokale Meldungen ausgebaut. Die Zahl der Abonnenten für die Nina-Warnapp liegt nach Angaben des BBK aktuell bei 4 Millionen Downloads.

Künftig nun erhalten KATWARN-Nutzer auch die Warnungen, die über das MoWas-System unter anderem an NINA ausgespielt werden. Ergänzung: Umgekehrt integriert NINA jetzt auch Meldungen von KATWARN und BIWAPP.

Die in Niedersachsen entwickelte App BIWAPP ist bereits seit Längerem an MoWas angeschlossen. Über sie können die angeschlossenen Kreise und Städte auch „alltägliche“ Meldungen wie Schulausfälle verbreiten. Dadurch findet sie Eingang in den Alltag der Nutzer. Das könnte auf Dauer zu einer höheren Akzeptanz in der Bevölkerung führen, da die App – wenn sie erst einmal installiert wurde – nicht vergessen auf dem Handy schlummert oder beim Wechsel zum nächsten, neuen Gerät nicht wieder installiert wird.

BIWAPP, die derzeit wird die App von 45 Landkreisen genutzt wird, ist bereits an die Meldungen aus dem MoWas-System angeschlosen. Damit werden auch die BIWAPP-Nutzer, die vor allem in Niedersachsen, aber auch in Sachsen, Bayern, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern beheimatet sind, mit gewart.

Weit fortgeschritten ist die Zusammenarbeit der Apps übrigens in Sachen Wetter und Hochwasser: Alle nutzen die Meldungen des Deutschen Wetterdienstes und zeigen die aktuellen Pegelstände der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV)

Trotzdem fehlt allen eine sichere Weckfunktion – Nutzer, die den Flugzeugmodus aktiviert haben, erhalten keine Warnungen. Auch bei schlechter Netzabdeckung oder bei Problemen mit der Mobilfunk-Infrastruktur, etwa bei Stromausfällen, gibt es weiterhin Probleme.

Die Kooperation zwischen dem MoWas-System und KATWARN wird den Nutzen durch die Warnapps im Land verstärken. Aber wir brauchen weitere Warnmöglichkeiten.

Kategorie:Warnung

Mitglied im VOST_de + S6 im KatStab IZ / Trainer für Kommunikation im Katastrophenschutz / Social Media Manager / Autor "Handbuch Social Media im Einsatz"