So klappt es: Kommunikation und Gewinnung von Lageinformationen über die Sozialen Medien

Social Media sind wichtig bei der Kommunikation mit der Bevölkerung. Für die großen Katastrophen spricht sich das langsam bei den BOS herum – es gilt aber auch bei regionalen Einsätzen.

Klar: Dazu muss es Personal geben, dass schon in den ersten Minuten nach der Alarmierung bei Facebook und Twitter postet – und vor allem auch mitliest, und auf die Anfragen der Bevölkerung direkt reagiert. Wenn das klappt, ist das ein echtes Plus – auch für die Einsatzleitung. Hier ein sehr interessantes Beispiel aus dem Kreis Pinneberg (Nachbarkreis der Stadt Hamburg in Schleswig-Holstein):

Der Einsatz:

Ein fünfeinhalbstündiger Löscheinsatz bei  einem Großfeuer auf auf einer Industriebrache am Sonntag, 29. Juli 2018, 21.52 Uhr Einsatzort: Pinneberg, Hermannstraße Einsatz: FEU 3 (Feuer, drei Züge)

In der Innenstadt, auf einem ehemaligen Industriegelände an der Hermannstraße brannte eine leer stehende Lagerhalle (15 x 50 Meter).  Insgesamt waren 74 ehrenamtliche Helfer der Wehren Pinneberg und Prisdorf fünfeinhalb Stunden mit den Löscharbeiten beschäftigt.  Anwohner hatten um 21.52 Uhr über Notruf Feuerschein und eine starke Rauchentwicklung gemeldet. 

Die Kommunikation:

Zunächst wurde über die Warn-App NINA die Bevölkerung in der Nachbarschaft aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Sie wird in Schleswig-Holstein auch für regionale und lokale Informationen genutzt. Die Leitstellen haben dazu einen direkten Zugriff auf MoWas, um die Meldungen ohne Umwege und Verzögerungen einstellen zu können.

Das Social Media Team informierte aber zusätzlich über die Facebookseite des Kreisfeuerwehrverbandes – noch wichtiger aber: Sie ging auch auf die wichtigsten Seiten, die von Pinneberger Bürgern genutzt werden, um hier direkt mit den betroffenen zu kommunizieren – wie hier bei „PINNEBERGerLEBEN“:

Das macht natürlich mehr Arbeit, als die Meldungen nur im „Einbahnstrassensystem“ zu posten. Zusätzlich können dadurch aber auch Informationen für die Einsatzleitung gewonnen werden. So stellte sich eine knappe halbe Stunde nach Beginn der Löscharbeiten heraus, dass auch bisher nicht beachtete Bereiche um die Einsatzstelle sehr durch Rauchgase belastet waren und die NINA-Warnung offensichtlich nicht alle Bürgerinnen und Bürger erreicht hatte. Darüber informierte das Social Media-Team die Einsatzleitung, die Polizei kontrollierte die angegebenen Bereiche und stellte tatsächlich eine entsprechende Belastung fest.

Dadurch entstand eine direkte Kommunikation mit den Betroffenen.

Mit ihren aktuellen Informationen erreichte die Feuerwehr damit innerhalb von zwei Stunden rund 16.000 Bürger.

Die Beiträge wurden 136 mal geteilt. Ein positiver Nebeneffekt: Auch die Zahl der Abonnenten stieg an. Eine gute Voraussetzung für künftige Kommunikationslagen.

Das Fazit:

Eine gut vorbereitete Social Media-Arbeit kann viel bewirken – auch bei regionalen Ereignissen. Nämlich eine schnelle Information der Bevölkerung, dazu neue Lageinformationen für die Einsatzleitung.

Der technische Aufwand ist dabei nicht der Rede wert. Ein Laptop und eine gute Internetverbindung über das Mobilfunknetz genügen. Entscheidend ist aber, die Social Media-Beauftragten und Pressesprecher entsprechend auszubilden und vorzubereiten. Denn sie müssen VORHER ihre Hausaufgaben machen – zum Beispiel auch die Facebook-Gruppen suchen, die im Einsatzfall relevant sein können und sich dort rechtzeitig einklinken. Denn eine Aufnahme in geschlossene Gruppen kann im Ernstfall zu lange dauern.

Vielen Dank für die Infos und Screenshots an Björn Swennosen vom KFV Pinneberg!