Social Media im Bevölkerungsschutz – kommt die Botschaft an?

Gestern Abend saß ich in Köln direkt am Rhein. Das Restaurant war nicht der Rede wert, das Gespräch schon. Ich gab ein ungefähr halbstündiges Interview für eine Masterarbeit. Thema: Was geht zurzeit in Sachen Social Media Monitoring in Deutschland? Reicht das? Und wie geht es weiter?
Ja – wie steht es denn nun?
Kaum jemand bestreitet noch, dass Social Media einen großen Beitrag zum Bevölkerungs- und Katastrophenschutz leisten können. Denn sie bieten – im Gegensatz zu allen anderen Informationskanälen die Möglichkeit eines Dialoges mit der Bevölkerung, in dem auf Fragen konkret geantwortet werden kann. Ähnlich wie beim Bürgertelefon, nur eben in einem viel größeren Maßstab – denn die Antworten können von anderen mitgelesen werden, die in den Sozialen Medien aktiv sind.
Die wichtigsten Vorteile sind:

– Schnelle Information und Warnung der Bevölkerung als Ergänzung zu den bestehenden Warnkanälen
– Informationsgewinnung für Stäbe und Einsatzleitungen durch Monitoring
– Optimale Kooperationsmöglichkeiten, zum Beispiel mit Spontanhelfern

Der wichtigste Nachteil bei der Nicht-Nutzung ist, dass ein Informations-Vakuum entstehen kann, das dann durch unabsichtlich falsche Informationen von Augenzeugen oder gar durch böswillig verbreitete Fake-News gefüllt wird.
Voraussetzung dafür ist allerdings, dass dafür auch die Manpower vorhanden ist. Denn für diese „neuen“ Möglichkeiten dürfen andere Bereiche der Öffentlichkeitsarbeit nicht vernachlässigt werden. Und da hapert es an vielen Stellen noch.
Die Polizei ist inzwischen fast überall in den Sozialen Medien aktiv. Viele Beispiele zeigen, dass sie damit Erfolg hat und viele Menschen erreicht.
Ebenso sieht es bei den Feuerwehren der größeren Städte und Ballungszentren aus: Auch sie sind in den allermeisten Fällen auf Facebook und Twitter aktiv. Der Fokus liegt dabei eindeutig bei Twitter: Auch wenn dieses Medium nicht so weit verbreitet ist wie etwa Facebook, lassen sich darüber doch die wichtigsten Multiplikatoren schnell und sicher erreichen.
Auch die Absprachen zwischen diesen beiden Akteuren klappen gut – das ist vor allem bei so genannten Polizeilagen wichtig, damit keine Informationen veröffentlicht werden, die der Polizeiarbeit schaden oder gar Einsatzkräfte gefährden können. (Mehr dazu bald in einem Artikel, den ich für die nächste Ausgabe der IM EINSATZ geschrieben habe.)
Beide Organisationen beginnen auch damit, sich intern zwischen den Städten zu vernetzen, um die großen Datenmengen in kritischen Situationen gemeinsam besser bewältigen zu können.
Im Katastrophenschutz sieht es dagegen schon wesentlich dünner aus. Nur sehr wenige Stäbe haben Experten, die die Sozialen Medien entsprechend nutzen können.
Das VOST des THW (in dem ich auch aktiv bin) füllt diese Lücke und bietet allen BOS über das Instrument der Amtshilfe genau dosierte Unterstützung an. Dieses Virtual Operations Support Team besteht derzeit aus 20 Freiwilligen, die über Know-How sowohl im Bevölkerungsschutz als auch im Bereich Social Media verfügen und den S5 eines Stabes oder Pressesprecher einer Hilfsorganisation unterstützen können. Daneben gibt es auf Bestrebungen, auch auf länderebene ähnliche Strukturen aufzubauen.
Dazu jedoch muss diese Unterstützungsmöglichkeit aber noch besser bekannt gemacht werden, damit Leiter von Stäben und Einsatzleitungen sie auch in Anspruch nehmen.
Ich freue mich schon auf die Veröffentlichung der Masterarbeit, für die das Interview gedacht ist – mal schauen, was andere zum Stand der Dinge sagen. Und ich freue mich darauf, wie es weitergeht – denn langsam spricht sich das Thema herum.
Ich würde sagen: Es tut sich was, es ist aber noch viel Luft nach oben.

Foto: Pixabay / Ninita_7