Stille Post für Smartphones

Was machen wir, wenn etwas so richtig schief läuft? Klar – wir greifen zum Handy. Um uns zu informieren, um mit Angehörigen und Freunden Kontakt aufzunehmen. Doch was, wenn bei einer Katastrophe die Infrastruktur des Mobilfunks ausfällt – beispielsweise durch chronische Überlastung oder einen Stromausfall?

Dann bleibt nur noch das W-Lan, über das man dann noch per Datentransfer, also per Messenger, Informationen austauschen kann. Nach den Terroranschlägen von Brüssel wurde die Bevölkerung zum Beispiel aufgefordert, zu einem Platz mit freiem W-Lan zu gehen, um von dort aus zu kommunizieren, weil das Handynetz überlastet war.

smarter Ad-hoc-Kommunikation bei Netzausfall

Doch was, wenn auch das Festnetz nicht mehr funktioniert? Bislang sind Handys damit fast nutzlos. Deshalb fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Projekt smarter: Das steht für „Smartphone-based Communication Networks for Emergency Response“ – eine Lösung für infrastruktur-unabhängige Notfall-Kommunikation über Smartphones. Bürgerinnen und Bürger sollen darüber untereinander und auch mit den BOS kommunizieren können.

Dr.-Ing. Björn Richerzhagen von der TU-Darmstadt hat es mir genauer erklärt: „Das läuft komplett dezentral ab, das heißt die Geräte müssen untereinander aushandeln, wer wann was senden darf auf diesem drahtlosen Medium und geben diese Nachrichten dann über mehrere Hops weiter.“

Im Prinzip vernetzen sich also die Handys, die mit der smarter-App ausgestattet sind, selbständig und leiten Informationen per stille Post weiter. Jedes Smartphone gibt seine Info an alle anderen Geräte weiter, die es erreichen kann und so weiter. Das Ganze läuft über eine Ad-Hoc-W-Lan-Verbindung, die die Geräte untereinander aufbauen.

„Ich nutze Gelegenheiten, wo ich eben Kontakte habe und trage die Nachricht ansonsten wie einen kleinen Rucksack mit mir mit. Wenn ich mich jetzt aus meiner Wohnung herausbegebe auf die Straße und da die Nachbarschaft ablaufe, dann trage ich das Datenpaket mir herum und biete es kontinuierlich für Nachbargeräte an.“
Da klappt vor allem in einem geschlossenen Bezirk, in dem viele Handys unterwegs sind, die sich die Nachricht weiterreichen können. Schwieriger wird es dann, wenn die Infos in einen weiter entfernten Ort weitergegeben werden sollen.

„Wir untersuchen auch, wie man das kombinieren kann mit Kommunikationstechniken, die über weitere Reichweiten funktionieren. Das heißt man versucht dann aus der smarter-App heraus wesentliche Informationen, die an dem anderen Ort relevant sind, über diese langen Strecken weiterzureichen.“

Gerade wurde smarter erfolgreich getestet. Es gibt aber ein Problem: Der Aufbau dieses Netzes kostet sehr viel Energie, die Akkus der Handys gehen so schnell zur Neige – und das in einer Situation, in der vielleicht kein Strom zum Wiederaufladen zur Verfügung steht. Das liegt daran, dass die Chips auf diese Weise dauernd auf Sendung und auf Empfang sind und so mehr Strom verbrauchen, als wenn sie mit einem Router verbunden wären. Denn der gibt ihnen sozusagen Ruhezeiten vor, in denen sie für Millisekunden abschalten und so Energie sparen können.

Leider läuft das Projekt bereits im Februar mit eine Abschlusskonferenz aus. Es könnte aber mit Fördermitteln des Landes Hessen weitergeführt werden. „Da ist smarter ein wesentlicher Bestandteil: Wie kann ich Kommunikation noch realisieren, wenn die Infrastruktur nicht mehr verfügbar ist?“

Weitere Infos zum Projekt smarter gibt es hier.

 

Text: Jan Müller-Tischer, Trainer und Berater für BOS und Katastrophenschutz