Die Wildschwein-Warnung

Achtung Wildschweine in der Innenstadt! Die Warnung kam gestern über NINA. „Wie bitte?!?“ habe ich zuerst gedacht. Aber als ich dann las, dass in Heide einige Menschen durch die wildgeworden Tiere verletzt wurden, war klar: Es ist gut, dass die Leitstellen in Schleswig-Holstein jetzt in der Lage sind, solche Warnungen auch auf regionaler und lokaler Ebene schnell herauszubringen. Das ist ja in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich – manchmal gibt es nur bundesweite Warnungen, manchmal sehr kleinteilige.

Bei uns hier im „Echten Norden“ ist die Tendenz eindeutig: Seitdem die Möglichkeit besteht, kommen mehr Warnungen, auch vor „kleineren“ Ereignissen. Die erste bundesweite Warnung, die ich erhalten hatte, war übrigens die zu dem Erpresser, der gedroht hatte, Lebensmittel in Supermärkten zu vergiften.

Andererseits – bei Xavier habe ich keine Warnung meiner installierten Warnapps (NINA und KATWARN) bekommen. (Hier könnt ihr die Geschichte nachlesen.) Warum weiß ich auch nicht so genau. Am nächsten Tag hatte ich eine kleine (natürlich nicht repräsentative Umfrage) auf Twitter gestartet.

Das Ergebnis finde ich interessant: Wenn ich mal annehme, dass meine dass sich meine Follower dort eher überdurchschnittlich für Katastrophenschutz interessieren, wurden recht wenige tatsächlich über eine der Warnapps informiert. Nächstes Mal muss ich meine Mini-Umfragen noch genauer formulieren, dann weiß ich auch, warum. Aber eine genaue Auswertung wäre wohl eher ein Thema für eine Masterarbeit…

Auf der anderen Seite hörte ich vor einigen Tagen gerüchteweise, dass in einem Fall sogar die Einladung zu einer Feuerwehrveranstaltung über NINA verschickt worden sein soll. (Falls das wirklich passiert ist und jemand davon einen Screenshot hat, würde ich mich über die Datei übrigens sehr freuen…)

Worüber soll NINA denn nun genau informieren? Gibt es da auch ein „Zuviel?“

Die beiden Pole sind klar: Auf der einen Seite die Warnapp, die gar nicht oder nur alle Jubeljahre mal auslöst – auf der anderen Seite diejenige, die einem fast täglich eine Warnung schickt. (Vor allem, wenn man, wie ich, als Signalton natürlich die „Sirene“ ausgewählt hat…)
Was passiert, wenn die Warnapp nie warnt? Sie gerät möglicherweise in Vergessenheit und wird möglicherweise auf dem neuen Handy nicht wieder installiert – und ihre Existenz spricht sich unter den Nutzern nur sehr langsam herum. Denn die beste Werbung ist doch, wenn einer dem anderen sagt: „Das weiß ich schon seit einer Stunde – guck mal, ich habe hier NINA/KATAWARN/BIWAPP auf meinem Handy!“
Und was passiert, wenn sie dauernd losheult? Dann besteht durch den Nerv-Faktor das Risiko, dass der Nutzer sie ganz schnell wieder deinstalliert.
Was aber auf jeden Fall gut wäre: Wenn wir es schaffen, dafür für alle Apps und über Ländergrenzen hinweg eine einheitliche Regelung zu treffen. Aber davon sind wir noch weit entfernt, die Frage ist ja, ob wir überhaupt jemals überall die gleichen WarnMÖGLICHKEITEN bekommen…
Was meint ihr dazu?

Text und Foto: Jan Müller-Tischer, Trainer und Berater für BOS und Katastrophenschutz