Probelauf für eine bundesweite Notruf-App kurz vor dem Start

Vor einigen Monaten hatte ich mich hier in meinem Blog schon einmal mit dem Thema Notruf-App beschäftigt. Denn im (noch) gültigen Koalitionsvertrag steht ja seit vier Jahren:

„Wir führen Systeme ein ( zum Beispiel eine zentrale Nummer für SMS-Notrufe oder eine Notruf-App) und ändern das TKG (Telekommunikationsgesetz) so, dass sich Menschen in einer Notsituation bemerkbar machen und Hilfe anfordern können, ohne zurückgerufen werden zu müssen.“

Im Protokoll einer Bundestagssitzung aus dem April hatte ich einge interessante Infos dazu gefunden. Seitdem aber nichts mehr davon gehört. Deshalb habe ich jetzt mal im Wirtschaftsministerium nachgefragt. Die Auskunft:

„Das Pilotprojekt befindet sich derzeit in der Phase der Antragsprüfung. Bei positivem Prüfausgang könnte es dann im Herbst 2017 starten.“

Das klingt doch schonmal gut. Ich habe deshalb die vier wichtigsten Fragen zur neuen Notruf-App zusammengestellt:

Warum ist eine solche App wichtig?

Aus zwei Gründen: Sie wäre barrierefrei und könnte Menschen mit Behinderungen und Leuten ohne Deutschkenntnisse so helfen, einen Notruf abzusetzen. Außerdem könnte sie wichtige Zusatzinfos gleich mit übermitteln. Die wichtigste wäre der Standort des Betroffenen.

Und warum gibt es dann nicht längst eine?

Gibt es. Ja, ehrlich. Und zwar von der DGZRS. Sie heißt SafeTrx und zeichnet die Position einer Yacht, eines kleinen Motorbootes oder auch – wenn das Handy wasserdicht verpackt ist – eines Surfers auf und sendet sie. Die Daten können dann im Notfall von den Seenotrettern abgerufen werden.

Hat der Wassersportler Ziel und Ankunftszeit seines Törns vor Abfahrt gespeichert, wird er zunächst selbst per SMS erinnert, falls seine Ankunft überfällig ist. Erst bei einer Verspätung von mehr als 15 Minuten wird ein zuvor gespeicherter, privater Notfall-Kontakt alarmiert. Dieser wiederum kann dann die Seenotretter informieren. Wer in Seenot gerät, kann aber auch selbst schnell Hilfe holen. Ein Drei-Sekunden-Druck auf den Bildschirm mit Bestätigung genügt, dann wird ein Notruf an die SEENOTLEITUNG (MRCC) ausgelöst und zugleich die aktuelle Position übermittelt.

Und warum kopieren wir Landratten das System nicht einfach?

Tja – weil es für Seenot-Fälle genau eine Leitstelle gibt. Und für Unfälle auf dem Land mehr als 500. Das Problem: Wie erreicht Notruf auch tatsächlich die zuständige Leitstelle? Die App müsste immer zuverlässig erkennen, wo der Notruf denn nun hin muss.

Außerdem gibt es viele technische Fragen. Zum Beispiel: Wie sicher ist die Datenübertragung? Was ist mit dem Datenschutz?

Wie geht es denn weiter, wenn der Test erstmal begonnen hat?

Die Pilotphase wird voraussichtlich sechs bis neun Monate dauern. Aber auch wenn alles glattgeht, wird sie dann wohl nicht sofort eingeführt – denn dann liegt es bei den Ländern, die App auch tatsächlich bundesweit auszurollen. Die sind nämlich eigentlich zuständig – der Bund hat das Ganze nur in die Hand genommen, damit es weitergeht.

Da sind wir mal gespannt, oder?

 

Text und Foto: Jan Müller-Tischer, Trainer und Berater für BOS und Katastrophenschutz