Infos über die sozialen Medien – Beispiel Hamburg Airport: Jede Minute zählt.

Der erste Tweet kommt um 13:59 Uhr: Also fast eineinhalb Stunden nach der Einstellung des Flugbetriebes und 14 Minuten, nachdem bereits wieder Maschinen starten und landen.

Der erste von insgesamt fünf Tweets, die die Lage erklären. Allerdings nur auf deutsch und reichlich spät. Denn in diesen eineinhalb Stunden wurden nach Medienangaben die Terminals evakuiert, 168 Verletzte versorgt, 13 Flüge hatten Verspätung oder wurden nach Bremen umgeleitet. Die Ursache war offenbar Reizgas. Auch auf Facebook erscheint erst gegen 14 Uhr eine Meldung. Solange haben die 75.068 Facebook-Abonnenten und 16.400 Follwer des Flughafens auf Twitter nichts offizielles gehört. Zumal auch von der Polizei oder der Feuerwehr Hamburg zu diesem Zeitpunkt keine Meldungen in den Social Media abgeben. Viele beschweren sich daraufhin in den Kommentaren:

 

Kein Wunder – denn Privatleute und Medien hatten bereits wenige Minuten nach der Schließung darüber getwittert.

Ich bin mir sicher: An einem Wochentag hätte der Flughafen viel schneller auch über die sozialen Medien über den Zwischenfall informiert. Danach sieht die Pressearbeit viel besser aus – bereits um 14:20 Uhr gibt es eine Pressekonferenz, die live bei Periscope übertragen wird.

Es geht also darum, bereits in den ersten Minuten auf Twitter und Co präsent zu sein. Doch wie lässt sich das bei Unternehmen wie einem Flughafen gewährleisten? Zumal abzusehen ist, dass (wie auch in diesem Fall) die Internetseiten des Unternehmens wegen der vielen Anfragen zumindest kurzfristig nicht zu erreichen sind. Meiner Meinung nach muss die Sicherheitszentrale eines solchen Unternehmens in der Lage sein, sofort Twittermeldungen und Facebookmeldungen abzusetzen. Natürlich hat in diesem Moment niemand Zeit dafür. Deshalb sollte es vorgefertigte Meldungen geben, die nur noch per Knopfdruck losgeschickt werden müssen.

„Der Airport Hamburg wurde wegen eines Zwischenfalls evakuiert. Bitte fahren sie nicht dorthin – weitere Infos folgen!“ (oder ähnliches)

Das natürlich auch auf englisch. Gut, dass es diesmal nur ein verhältnismäßig harmloser Anlass war. Und gut, wenn Unternehmen solche Situationen zum Anlass nehmen, ihre Pressearbeit zu optimieren.

Text: Jan Müller-Tischer, Trainer und Berater für BOS und Katastrophenschutz