Wie man nach Katastrophen und Anschlägen gefälschte Fotos identifiziert

Manche Leute haben erschreckende Hobbys. Zum Beispiel: Nach schrecklichen Ereignissen Fotos oder Videos zu posten. Die entweder falsch sind, in einem ganz anderen Zusammenhang gemacht, oder sogar manipuliert wurden.

Auch nach den Übergriffen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof und nach der Schießerei in München ist das passiert. Im Netz kursierten zum Beispiel blutige Bilder von Toten, die – wie aufmerksame User herausfanden – nicht aus München, sondern von einer anderen Schießerei in Südafrika stammten.

Andererseits können Fotos und Videos von (echten) Augenzeugen sehr wichtig für unsere Lagebeurteilung im Katatstrophenschutz sein. Doch wie die echten von den falschen Bildern unterscheiden? Ich habe mal einige Möglichekeiten – sozusagen als Erste-Hilfe-Koffer:

Genau hinschauen: Was für einen Eindruck macht der Account, von dem aus das Foto gepostet wurde? Ist im Profil  zu erkennen, dass er oder sie tatsächlich aus der betroffenen Region stammt? Sind auf dem Bild oder Video irgendwelche Details zu erkennen, die nicht passen? Autokennzeichen anderer Länder oder ähnliches?

Aus dem Fenster gucken. Stimmen die aktuellen Wetterbedingungen mit denen auf dem Foto überein? Oder auf den Aufnahmen Schnee / ist es neblig / regnet es Katzen  und Hunde, während draußen die Sonne scheint?

Die umgekehrte Bildersuche: Erst mit einem Rechtsklick auf das Foto die „Bildadresse kopieren“.  Klickt man danach bei der Google-Suche auf „Bilder“, erscheint ein kleiner Fotoapparat im Suchfeld. Wenn man draufklickt, kann man die ULR des jeweiligen Bildes eingeben und schauen, ob es vielleicht in anderen Zusammenhängen schon länger im Netz kursiert. Ein weiterer Anbieter ist Tineye.

Wurde das Bild bearbeitet? Das kann man mit Izitru machen – auch hier einfach die ULR des Fotos hineinkopieren und suchen.

Metadaten durchsuchen. Viele Bilder, die im Netz veröffentlicht werden, tragen ihre verborgenen Daten mit sich – zum Beispiel auch das Aufnahmedatum. Um das zu checken, kann man zum Beispiel die Seite von Jeffrey Friedl aufrufen. Erstaunlich, was man da so abrufen kann.

Auch für Videos gibt es eine umgekehrte Suche: Der YouTube DataViewer von Amnesty International findet heraus, ob ein Video schon einmal im Netz unterwegs war. Er produziert Thumbnails. Mit diesen Bildern kann man dann auch noch eine Rückwärts-Bildersuche versuchen.

Kontakt aufnehmen. Das ist über Twitter ebenso möglich wie über Facebook. Meldet sich derjenige, der die Bilder ins Netz gestellt hat, kann er auch weitere wichtige Hinweise auf das geben, was am Unglücksort gerade vor sich geht. Vor allem bei Flächenlagen kann das sehr wichtig sein.

Diese Liste ist bestimmt noch nicht vollständig. Ich freue mich über weitere Anregungen und werde die Vorschläge dann entsprechend anpassen.

 

 
Text und Foto: Jan Müller-Tischer, Trainer und Berater für BOS und Katastrophenschutz