Katastrophenschutz XXL: Die Sache mit den Eiern und dem Raumschiff

Elon Musk ist schon ein toller Kerl. Jetzt zeigt sich: Er kann nicht nur super(teure) Tesla-Elektroautos bauen, sondern hat auch wegweisende Ideen für den Katastrophenschutz. Nach dem alten Sprichwort von Cervantes (dem mit Don Quichotte) und Warren Buffet (dem mit den vielen Aktien), sagt er nämlich jetzt auch:  „Don´t put your eggs in one basket.“

Ist ja auch was dran. Das beängstigende: Die Eier sind in diesem Fall wir und der Korb ist unsere gute alte Erde. Musk regt nämlich an, möglichst schnell den Mars zu besiedeln, damit die Menschheit beim nächsten Asteroidentreffer nicht so mirnichts-dirnichts ausstirbt.

Praktischerweise hat Musks Firma SpaceX auf der International Astronautical Conference in Mexiko jetzt gerade sein Raumschiff vorgestellt, das 100 Leute gleichzeitig  zum Mars transportieren kann.  „Interplanetary Transport System“ heißt das und bringt mal eben 100 Tonnen Nutzlast in Richtung Mars. 2022 soll es losgehen. Also noch, bevor das erste Flugzeug auf dem neuen Berliner Flughafen landet, und bevor der Kanaltunnel in Rendsburg fertig saniert ist. Respekt!

Ich überlege nur gerade, wie oft die hin- und herfliegen müssen, bis der Genpool da drüben groß genug ist? Zumal jede Reise ja doch länger dauert. Bis jetzt würde ein Ticket übrigens 10 Milliarden Dollar kosten – Musk will den Preis aber bald auf 100.000 Dollar drücken. (Hin- und zurück kostet natürlich extra.) Wenn wir aber zuerst die fliegen lassen, die es sich leisten können, frage ich mich auch, was für eine Menschheit2 denn da drüben entsteht?

In „Per Anhalter durch die Galaxis“ hat Douglas Adams ja schon mal so eine ähnliche Szene beschrieben: Eine ferne Zivilisation setzt alle, die sie nicht brauchen können, in ein Raumschiff, weil der Heimatplanet angeblich bald zerstört wird. Nachdem sie losgeflogen sind, zeigt sich, dass die beiden anderen angekündigten Raumschiffe mit den anderen nie kommen. Weil es nämlich gar keine Bedrohung für den Planeten gibt.  War alles nur ein Trick, um die unliebsamen Nachbarn loszuwerden. Achtung Spoiler: Das Raumschiff knallt am Ende auf die Erde. Und – wer hat´s erraten? Die Überlebenden des Absturzes sind laut Douglas Adams unsere Vorfahren…

Und wenn es dann wirklich passiert? In den vergangenen Jahren haben uns ja einige Asteroiden nur knapp verfehlt, einige wurden nur unmittelbar vor der Begegnung überhaupt entdeckt. Den Dinos ist es ja vor 65 Millionen Jahren auch übel ergangen. Schön für die Neu-Marsianer, auch wenn sie die gute alte Erde danach nur noch als Fototapete erleben können. Und schön für uns Zurückbleibende, denn wir wissen dann kurz vorm Einschlag:  Schlecht für mich, aber die Menschheit wird überleben. Ich persönlich finde das ungemein tröstlich.

Anstatt zum Mars zu fliegen, sollten sich die Experten vielleicht eher darauf konzentrieren, wie man ein Asteroiden-Abwehr-System installieren könnte. Damit wir nicht im letzten Moment noch ein paar Cowboys hochschicken müssen, die es dann richten sollen. So wie in Armageddon, meine ich. (Da fällt mir ein: Auf den Film hätte ich auch mal wieder Lust, allein schon wegen Bruce Willis…)

Kann ich mir ja mal wünschen, wenn ich die nächste Sternschnuppe sehe…

 
Text und Foto: Jan Müller-Tischer, Trainer und Berater für BOS und Katastrophenschutz