Der kleine Katastrophen-Zettel

Hollywood lässt grüßen: Die Amerikaner kennen sich ja mit Katastrophenfilmen aus (auch wenn sie sich manchmal deutsche „Gastarbeiter“ wie Wolfgang Petersen dazu holen.)

Auf Facebook habe ich jetzt ein Filmchen der US-amerikanischen Katastrophenschutzbehörde Department of Homeland Security gefunden. Es zeigt krasse Szenen von Überflutungen, Waldbränden, einem Schneesturm einem Tornado. Und stellt in ziemlich kleinen Buchstaben einfach nur die Frage: „Wann ist der richtige Zeitpunkt, mit Ihrer Familie darüber zu sprechen, wie Sie sich im Notfall gegenseitig erreichen können?“ (Auf Englisch klingt das natürlich viel cooler.)

Hm, habe ich gedacht. Gar nicht so dumm. Man muss kein S6 sein, um zu wissen, dass die herkömmliche Kommunikation im Falle einer größeren (oder auch persönlichen Katastrophe) ganz schnell gestört sein kann. Nach dem Motto:

  • „Ich habe mein Handy verloren. Darf ich mal Ihres haben, um meinen Vater anzurufen?“
  • „Na klar. Sag mal schnell seine Nummer, ich tippe sie für Dich ein.“
  • „Äh…“

Andere Möglichkeiten eines spontanen Kommunikationszusammenbruches:

  • Akku alle
  • Handy durchnässt oder kaputt
  • Tasche geklaut
  • Handynetz gestört
  • Stromausfall
  • Straßen gesperrt
  • Züge / Busse fahren nicht mehr

Jeder, der die wichtigsten Telefonnummern für so einen Fall tatsächlich noch alle im Kopf hat (und nicht nur im Handyspeicher), hebe jetzt die Hand. Also? Na? Und?

Ich wäre aufgeschmissen, das steht fest. (Dabei kenne ich ja immerhin noch meine eigene, selbst daran scheitern ja manche schon…)

Auf der Seite kann man zwei Versionen einer pdf herunterladen. Eine für die Erwachsenen, eine für die Kinder. Da soll man die wichtigsten Telefonnummern, weitere mögliche Kontaktpersonen und Treffpunkte eintragen. Und den Zettel dann ins Portemonnaie stecken.

Da fällt mir ein: Beim G7 Außenminstertreffen in Lübeck hatte jeder von uns so ein Kärtchen mit allen Handynummern von Redaktion und Produktion bekommen. Fein einlaminiert – zum um den Hals hängen. Auch eine Idee.

Interessant übrigens auch ein Hinweis, der sich auf den FEMA-Zetteln findet: Man solle möglichst texten, also per SMS oder Messenger wie Whatsapp kommunizieren, um die Notrufnummern freizuhalten.

Manchmal sind´s die einfachen Dinge…

 
Text: Jan Müller-Tischer, Trainer und Berater für BOS und Katastrophenschutz

Foto: Screenshot Department of Homeland Security-Spot