Hochwasserkatastrophe: Wie die Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd über die Sozialen Medien kommuniziert

Im Fernseher läuft gerade der Brennpunkt der ARD-Kollegen zu den schweren Überschwemmungen in Süddeutschland. Draußen fängt es leise an zu nieseln. Ich klicke parallel dazu Facebook an. Um herauszufinden: Wie haben die betroffenen Gemeinden in der vergangenen Nacht ihre Bürger per Social Media informiert? Ich habe mir die Seiten von Schwäbisch Gmünd angesehen.

Die erste Erkenntnis: Auch die Internetseite der Stadtverwaltung hat den vielen Anfragen von Anwohnern und Pressevertretern nicht standgehalten. Die Mitarbeiter thematisieren das und verweisen auf ihre Arbeit bei Twitter und Facebook. Deren Server können wesentlich mehr leisten als die eines Rathauses oder einer Kreisverwaltung. Schon deshalb ist es wichtig, vorher entsprechende Accounts vorzubereiten – selbst, wenn man sie im Alltagsgeschäft nicht nutzen will.

Die zweite: Facebook mit all seinen Katzenfotos (ich habe natürlich noch NIE eines gepostet…) mag auf manche zunehmend langweilig wirken – für die Verbreitung wichtiger Informationen ist es nach wie vor ein zentrales Medium: So hat die Facebookseite der Stadt (bei 60.000 Einwohnern) rund 13.000 Likes, der Twitteraccount aber nur knapp 400 Follower. (Vielleicht liegt es auch daran, dass der Nutzername, warum auch immer,  @GDgezwitscher lautet) Einer der Facebookposts wird rund 500 mal geteilt, die gleichlautenden Tweets zum Unwetter werden aber maximal fünfmal retweetet, also weitergeleitet.

Die dritte: Wichtig ist es, ein neutrales Titelfoto im Archiv zu haben, um es bei ähnlichen Ereignissen auf  Facebook und Twitter einsetzen zu können. So wirken diese Accounts dann (gerade bei Ausfall der eigenen Webseite) offizieller.

Wenn man die (fast gleichlautenden) Meldungen auf Facebook und Twitter verfolgt, sieht man zuerst die Absage eines Konzertes (offensichtlich eine richtige Entscheidung…). Dann die erste Meldung um 20:17 Uhr: Alle Einsatzkräfte seien im Großeinsatz, Überschwemmungen, die Unterführungen komplett zu. Von da an posten die Mitarbeiter der Stadt (jeweils mit Nennung des Autoren) Fotos und Videos, aber auch Pegelstände.

Nachfragen nach freien Zufahrten ins Stadtgebiet beantworten die Mitarbeiter nicht – das übernehmen andere Leser der Seite. Dafür geht die Stadtverwaltung nach kurzer Zeit auch auf Hilfsangebote von Bürgern ein und veröffentlicht schließlich Kontaktdaten und Telefonnummern, damit sich die Helfer vernetzen können – aber auch Kontonummern für etwaige Spenden. Daneben sogar Hinweise, wie sich die Verspätungen der Züge rund um Schwäbisch Gmünd mit der Bahn-App am schnellsten herausfinden lassen.

Und wiederholt der Hinweis, dass die eigene Webseite weiterhin überlastet sei. 22 Meldungen haben die Mitarbeiter in den vergangenen 24 Stunden verschickt – auch die ganze Nacht hindurch. Im Ostalbkreis, in dem Schwäbisch Gemünd liegt, waren es in derselben Zeit genau drei.

Text: Jan Müller-Tischer, Trainer und Berater für BOS und Katastrophenschutz