Praxistest: Social Media Werkzeuge für Katastrophenschützer

Für mein Social Media Grundlagenseminar im Juni teste ich gerade die unterschiedlichsten Monitoring-Werkzeuge, die für BOS und Katastrophenschutz nützlich sein könnten. (Und möglichst wenig kosten.)

Jeder größere Unglücksfall spiegelt sich in den Sozialen Medien wider. Augenzeugenberichte, Gerüchte, Hilfsangebote von Spontanhelfern – für ein vollständiges Lagebild müssen BOS ein Auge darauf haben. Einfach auf die eigene Facebookseite schauen oder ein paar Suchbegriffe in Twitter ausprobieren? Das reicht nicht.

Es gibt viele Online-Dienste zur Überwachung von Social Media. Mention ist einer von ihnen – mit Sitz in New York und Paris. Wenn man sich erstmal angemeldet hat (zwei Wochen sind kostenlos), dann staunt man: Mention überwacht diverse Soziale Medien gleichzeitig, durchsucht sie nach Stichworten und zeigt nebenbei noch wie wichtig der Algorithmus die Quelle einstuft.

Die Liste ist beachtlich. Gescannt werden Twitter, aber auch Facebook, Onlineforen, Instagram, Youtube und ähnliche Dienste sowie freigewählte Webseiten und Blogs. Das geht auch per App – da finde ich das Programm sogar noch übersichtlicher als im Browser. Damit kann man dem Einsatzleiter oder Leiter des Stabes die wichtigsten Tweets oder Facebookmeldungen dann gleich weiterschicken.

Es gibt allerdings einen Haken, der viele Kreise und Leitstellen davon abhalten dürfte, diesen Dienst zu nutzen: Für ein Basisaccount bei Mention müsste man dauerhaft 29 Euro im Monat zahlen, (für NGOs gibt es immerhin 30 Prozent Rabatt). Obwohl – wenn man überlegt, was die Behörden sonst so für Geld für IT ausgeben.. Für den Einsatzfall bietet Mention dann einen Upgrade an. Und der ist auch dringend notwendig, denn die Basisversion reicht dafür nicht aus. Auf Dauer würde der 299 Euro pro Monat kosten…

Ein spezielles Angebot für Katastrophenschützer gibt es noch nicht, denn Mention ist (wie all die anderen Monitoring-Dienste) eigentlich für Unternehmen konzipiert. Über den Markt der BOS hat man dort anscheinend noch gar nicht recht nachgedacht. Trotzdem ist es ein sehr gutes Werkzeug für den kleineren oder größeren Einsatz.

Wundert mich, dass die Entwickler den Katastrophenschutz-Markt noch nicht entdeckt haben – vielleicht denken sie einfach, es lohnt sich nicht.

Text : Jan Müller-Tischer, Trainer und Berater für BOS und Katastrophenschutz

Foto (Ausschnitt): Mention