Der Wacken-Workshop

Ganz ungewohnt, sich das Wacken Open Air ganz genau anzuschauen – ohne Schlamm an den Füßen, 75.000 Metalfans um einen herum (und ein Bier in der Hand). Im warmen und trockenen Katastrophenschutzzentrum hat heute ein großer Workshop zum Thema W:O:A begonnen. Gemeinsam denken wir vom Kreis Steinburg darüber nach, wie der Katastrophenschutz die Veranstalter unterstützen kann, wenn sie mit Bordmitteln nicht mehr weiterkommen.

Die allerdings sind beachtlich – erst im  vergangenen Jahr hatte ich für den NDR einen Film darüber gedreht. Stolz sagten mir die Verantwortlichen in die Kamera, sie seien in Sachen Sicherheit den anderen Festivals um 10 Jahre voraus. Ein ausgeklügeltes Kamerasystem, mit dem die Security alle Bereiche des Infields überblicken kann. Breite, gut gekennzeichnete Notausgänge. Flächen auf den Zeltplätzen, die um jeden Preis freigehalten werden – als Brandschneisen und als Rettungswege.

Der Sanitätsdienst des DRK Kaltenkirchen ist mit mehr als 500 Helfern breit aufgestellt, der Rettungsdienst der RKiSH mit 9 RTW auf dem Platz auch für weite Fahrten gerüstet – denn die benachbarte Klinik in Itzehoe wäre mit so vielen Patienten hoffnungslos überfordert. Die Feuerwehrgerätehäuser der Nachbardörfer werden während des Festivals Tag und Nacht besetzt. Und zweimal am Tag treffen sich die Vertreter aller BOS, des Ordnungsamtes, des Veranstalters, um die Strategie für die nächsten Tage zu besprechen.

Landrat Torsten Wendt will die Hilfe von außen deshalb so planen und organisieren, „dass die bestehenden Einrichtungen und Ordnungen bestehen bleiben und da eben gucken: Welche übergeordneten Aufgaben können wir wahrnehmen und unsere Beiträge für eine Lage leisten.“

Doch die hervorragende Organisation auf dem Festivalgelände hat auch einen Nachteil: Viele Helfer von DRK, Feuerwehr und Co. sind bereits in und um Wacken eingesetzt. Wenn sie doch Hilfe brauchen, muss die von weit her kommen, weiß auch der Landrat. „Wir müssen rechtzeitig die Hilfeleistung organisieren, dass klang ja heute auch schon an, dass es lange Alarmierungszeiten und Anfahrtswege gibt, für überregionale Einheiten – und das ist genau der Punkt: Da müssen wir rechtzeitig dabei sein.“

Wo kommt die Hilfe her? Wie lange brauchen die Einheiten? Wo können wir Bereitstellungsräume einrichten? Wie läuft die Kommunikation – auch über die sozialen Medien? Zwei Tage haben wir nun Zeit, all die Fragen zu beantworten, die wir uns heute gestellt haben.

Text und Foto: Jan Müller-Tischer, Trainer und Berater für BOS und Katastrophenschutz