Willkommen in Deutschland

Dieser Blogpost ist für alle, die sich wundern, dass das Camp Itzehoe verschwunden ist. Auf Facebook zumindest. Das Camp wird sich im Frühjahr wieder mit Flüchtlingen füllen – auf Facebook wird darüber aber nichts mehr zu lesen sein.

Denn Ordnung muss sein.

Als die Johanniter die ehemalige Druckerei für Flüchtlinge vorbereiteten, eröffneten sie auch eine Facebookseite. Das war einmalig in Schleswig-Holstein. Seitdem konnte man dort viele persönliche Geschichten von Flüchtlingsfamilien lesen, Fotos von kleinen Schneemännern sehen und etwas über gespendete Friseurstühle erfahren.

So geht es natürlich nicht. Denn all das ist ein Informationsrisiko – vor allem für die direkten Nachbarn. Mehr als 1400 von ihnen hatten die Facebook-Seite „geliked“ und damit auch die Informationen regelmäßig auf ihrem Computerbildschirm. Fehlinformationen und Missverständnisse hätten sich so schnell verbreiten können.

In den vergangenen Monaten war das zwar nicht passiert – eher im Gegenteil: Nach einem Feueralarm und einem Polizeieinsatz erfuhren die Itzehoer über Facebook schnell, worum es ging. Und dass alles halb so schlimm war. Die Facebook-Seite des Camps war außerdem ein wichtiger Teil der Online-Community von Steinburger Flüchtlingshelfern.

Trotzdem. Man kann ja nie wissen. Außerdem gibt es in Kiel beim Landesamt für Ausländerangelegenheiten Experten – auch Kommunikationsexperten. Sie machen die Pressearbeit zentral für alle Flüchtlingscamps im Land. Auch für Itzehoe – und deshalb wurde die Facebook-Seite jetzt abgeschaltet.

Das ist ein Vorteil. Denn so erhalten die Itzehoer die Informationen über die bis zu 2000 Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft künftig zwar nicht mehr aus erster Hand, doch dafür jetzt aus einer Hand. Nur eben nicht mehr über Facebook.

Im vergangenen Jahr passierte viel auf einmal. Eigeninitiative und schnelles Handeln waren gefragt, um all die Flüchtlinge unterzubringen – auch von uns Katastrophenschützern. Manchmal ging es ein bisschen drunter und drüber, aber es hat geklappt, und darauf können wir stolz sein. Und jetzt haben unsere Behörden die Situation wieder im Griff. Sonst hätten sie für so etwas wie eine Flüchtlingscamp-Facebookseite nämlich keine Zeit.

Das beruhigt mich.

Willkommen in Deutschland.

Text und Foto: Jan Müller-Tischer, Trainer und Berater für BOS und Katastrophenschutz.