Die Mittelwelle. Ein Nachruf.

Tja. Das wars. Jetzt ist der letzte deutschsprachige Mittelwellensender abgeschaltet. Der letzte macht das Licht aus – in diesem Fall war es der Deutschlandfunk. Exakt am 31.12.2015 um 23:55 Uhr. Seit fünf vor 12 (das ist natürlich reiner Zufall) also nur noch Grundrauschen. In den Zeitungen und Online finden sich denn auch diverse Nachrufe auf die gute alte Mittelwelle. Die Kollegen sehen das Ganze allerdings eher historisch. Ein Stück Radiogeschichte und so. Sie sehen nicht, dass uns damit auch ein wichtiger Weg verloren gegangen ist, die Bevölkerung im Katastrophenfall zu informieren.

„Haben Sie immer ein batteriebetriebenes Rundfunkgerät mit UKW- und Mittelwellenempfang und Reservebatterien oder ein Kurbelradio im Haus.“ So stand es viele Jahre im Ratgeber für Notfallvorsorge. Das BBK geht übrigens mit der Zeit und hat den Hinweis auf ein mittelwellentaugliches Radio im Notgepäck inzwischen gestrichen.

Dabei hatte der Ratschlag durchaus seine Berechtigung: Denn während UKW Sendemasten nur über relativ kurze Distanzen senden, zeichnen sich analoge Mittel- und Langwellensignale durch eine gute Reichweite aus. Sie eignen sich zur Versorgung von Gebieten ohne funktionierende UKW- oder DAB-Sendernetze, wie etwa Teile der offenen See oder von Naturkatastrophen betroffene Landstriche. Bei einem Ausfall der Notstromversorgung eines UKW-Senders hätte die Mittelwelle auf jeden Fall noch gute Dienste leisten können. Auf openpetition war deshalb eine Petition zum Erhalt der Mittelwellensender gestartet worden. Insgesamt kamen aber nur rund 2000 Stimmen zusammen.

Nach einem Bericht des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Bundestages müssen die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten einen gesetzlichen Versorgungsauftrag für Notfallkommunikation und -information erfüllen. Entsprechend verfügen die Rundfunkanstalten über Notfallstudios, mit denen ein reduzierter Produktionsbetrieb über mehrere Tage aufrechterhalten werden kann. In gleicher Weise ist die (terrestrische) Sendetechnik abgesichert. Allerdings jetzt nur noch über UKW. Denn wir müssen alle sparen. Das Aus für die Mittelwelle hat die „Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten“ beschlossen – in den kommenden drei Jahren sollen so 79 Millionen Euro eingespart werden – auch weil die analogen Sender so richtig viel Strom verbraucht haben.

Nun setzen wir also noch mehr auf moderne Technik. Mit NINA und KATWARN stehen zum Beispiel zwei Apps zur Verfügung:  NINA wurde laut Google Play bisher rund 50.000 mal heruntergeladen, KATWARN um die 100.000 mal. Da ist wohl noch Luft nach oben.

Deshalb zum Schluß noch eine gute Nachricht: Es gibt doch noch einen deutschen Mittelwellensender: Welle370 sendet auf 810kHz. Von März bis Oktober jeweils am dritten Sonntag im Monat von 14:00 bis 15:30 Uhr. Braucht auch gar nicht viel Strom, sendet nämlich nur mit 9 Watt Leistung. Und ist damit in einem Radius von 10 Kilometer rund um den Funkerberg in Königs-Wusterhausen zu empfangen.

Immerhin.

Text und Foto: Jan Müller-Tischer, Trainer und Berater für BOS und Katastrophenschutz.